4. Advent: Loslassen – ohne zu vergessen

Am vierten Advent ist Weihnachten ganz nah. Für viele Trauernde ist das die schwierigste Phase: Früher war jetzt alles vorbereitet, vielleicht war das Haus voll, die Küche belebt, die Vorfreude spürbar. Jetzt ist da vor allem Leere.

In der Trauer wird viel vom „Loslassen“ gesprochen – ein Wort, das oft Angst macht. Denn loslassen klingt, als müsse man den verstorbenen Menschen aus dem Herzen geben. In unserer Begleitung erleben wir bei Thieß Bestattungen jedoch: Es geht nicht darum, einen Menschen zu vergessen. Es geht darum, den Umgang mit dem Verlust zu verändern.

Loslassen kann heißen, bestimmte Erwartungen an sich selbst aufzugeben: Dass dieses Weihnachten „wie immer“ sein muss. Dass man funktionieren soll. Dass man stark und fröhlich wirken muss. Bewahren bedeutet dagegen:

  • Erinnerungen zu pflegen
  • Werte weiterzutragen
  • den geliebten Menschen im eigenen Leben präsent zu halten – auf eine neue Weise

Ein kleines Ritual zum 4. Advent kann sein, einen Brief an den verstorbenen Menschen zu schreiben. Erzählen Sie, wie es Ihnen geht, was schwer ist und wofür Sie dankbar sind. Sie können den Brief am Grab, an einem Lieblingsplatz oder zu Hause bei einer Kerze ablegen.

Vielleicht hilft auch ein symbolischer Gegenstand: ein Stein, ein Schmuckstück, ein Foto. Etwas, das für das steht, was bleiben soll. So wird sichtbar: Der Mensch ist nicht weg – er hat seinen Platz an Ihrer Seite, nur auf andere Weise.

Loslassen und Bewahren schließen sich nicht aus. Sie gehören in der Trauer zusammen. Und Sie dürfen Ihren ganz persönlichen Weg finden, der sich für Sie stimmig anfühlt.